Einen Bericht … Bitte schreib doch ein bisschen, wie es dir im letzten Jahr ergangen ist und welche Erfahrungen du gemacht hast! … wenn das so einfach wäre … Wenn ich jetzt am Ende meines Aufenthalts hier in Rumänien an die letzten Monate zurückdenke, so kommen mir ganz unterschiedliche Gedanken und Momente in den Sinn und eines ist klar: man kann das Erlebte nicht in Worte fassen, aber ich möchte versuchen ein paar Eindrücke zu geben.

 

Ich kann mich noch an den Anfang erinnern, als alles so total anders und neu für mich war. Die Kinder von der Schule abzuholen, ein Einkauf im Dorfladen, ein Arztbesuch – das waren für mich ganz besondere und beinahe spannende Ausflüge. Es war schön, das Land mit seinen vielen Facetten kennen zu lernen. Einerseits zum Beispiel die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Leute am eigenen Leib zu erleben und andererseits – etwas was für uns Westler vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist – an regnerischen Herbsttagen morgens den Dienst ohne Strom nur im Kerzenlicht zu beginnen, weil er im ganzen Dorf abgeschaltet wurde.

 

Aber nicht nur das Land, sondern vor allem die Kinder sind mir in diesem Jahr sehr ans Herz gewachsen – jedes mit seinen ganz speziellen Eigenheiten und Charakterzügen. Die Arbeit war nicht immer leicht oder lustig und es gab Momente, wo ich mich überfordert gefühlt habe oder Angst hatte, etwas falsch zu machen, aber gleichzeitig und das überwiegt im Endeffekt, habe ich so viel gewonnen und zurückbekommen!

Es ist auf jeden Fall eine Arbeit, wo man lernt sich über unscheinbare Kleinigkeiten zu freuen – als J G. begriffen hat, dass ich den Ball wieder zurückrolle, wenn er ihn zu mir rollt; das konzentrierte Spielen von J R.; die ersten selbstständigen Schritte von J C.; eine herzhafte Umarmung von J N.; wenn ich das Zimmer betrete und J Ö. „Anna“ ruft; ein Zuzwinkern von J E.; dass J A. so schnell den Sinn des Töpfchens verstanden hat; ein freiwilliges Busserl von J R.; die Genauigkeit und Feinfühligkeit von J A. und ein riesengroßer Grinser von J V..

 

So wie ich bei den Kindern die kleinen Fortschritte beobachten konnte, so durfte ich auch in diesem Jahr lernen, dass Gott auch die kleinen unscheinbaren Dienste sieht, die im Trubel womöglich keiner bemerkt. Ja, meine Arbeit will ich von Herzen für den Herrn machen, denn Er belohnt da, wo wir im Kleinen treu sind.

So wie diese habe ich im Alltag so manche Lektionen gelernt und auf jeden Fall durfte ich erleben, dass es der Herr gut mit mir meint und genau weiß was gut für mich ist – Er stellte mir Menschen zur Seite, wenn ich Ermutigung oder Hilfe brauchte; Er erhört Gebet in Situationen, wo man keinen Durchblick mehr hat und Er beschenkt uns mit so vielen Dingen an denen wir uns einfach freuen dürfen!

 

Ja, wenn ich jetzt an die letzte Zeit zurückdenke, dann muss ich sagen, es wurde anders als ich mir erwartet hatte, aber es war ein schönes Jahr, trotz manch schwierigen und anstrengenden Phasen, die es ja immer und überall gibt! Und es war auf jeden Fall ein Jahr, indem ich vieles gelernt und wo ich sicher profitiert habe ... angefangen klarerweise bei der Arbeit mit Kindern, weiters das Leben in einem fremden Land mit anderer Kultur – zu sehen, wie die Leute hier leben; neu das schätzen zu lernen, was man daheim als ganz selbstverständlich sieht und auch zu beobachten, wie das Christ sein und der Gemeindealltag in einem anderen Land mit ganz unterschiedlicher Geschichte ausschauen kann.

 

 

Es war ein Jahr, das ich nicht missen möchte und ich habe kleine und große Menschen kennen gelernt, die ich nicht vergessen werde!